Staatsverschuldung

-  ein Zinseszins-Teufelskreis

Verfasser:  Dieter Meyer

Neuverschuldung, Zinseszinswachstum, steigender Schuldenstand - das sind die Triebkräfte der Staatsverschuldung, ein ohne ihre Rückführung eigendynamisch bis zum Kollaps wachsendes gigantisches Schneeballsystem.

Die ausgeuferten Staatsschulden des öffentlichen Gesamthaushalts in Deutschland sind seit Jahrzehnten - abgesehen von der Verwendung der UMTS-Lizenzerlöse zur Schuldentilgung - wirtschaftlich nicht getilgt worden.  Fällige Tilgungsausgaben wurden und werden mit neuen Krediten refinanziert. Darüber hinaus wurde der Schuldenberg (Stand Ende 2010 rd. 2,08 Billionen EUR) zur vollen bzw. anteiligen Deckung der von ihm selbst verursachten wachsenden Zinseszinslasten bis 2010 um die jährliche Neuverschuldung erhöht. Diese erzeugt infolge gewachsener Zinslasten jährlich wieder neuen Kreditbedarf, dieser wieder neue Defizite infolge gewachsener Zinslasten usw. usw., und das mit steigender Tendenz in einer teufelskreisähnlichen Spirale. "Damit nährt sich die Verschuldung aus sich selbst heraus" (Deutsche Bundesbank, Monatsbericht März 1997, Zitat).

Von 1965 bis 2010 betrug auf der Ebene des öffentlichen Gesamthaushalts die Summe aller Neuverschuldungen bzw. Defizite 1.480,0 Mrd.EUR und die Summe aller Zinsausgaben 1.642,0 Mrd.EUR. Die riesigen Blöcke Kreditaufnahmen und Schuldendienst halten sich also im langfristigen Mittel etwa die Waage.

Im Jahre 1990 betrugen die Zinsausgaben des öffentlichen Gesamthaushalts noch 33,1 Mrd. EUR. Im Jahre 2008 waren sie auf 63,9 Mrd.EUR angewachsen. Das jährliche zinseszinsbedingte Haushaltsloch hat sich also nach 18 Jahren fast verdoppelt. Es wird weiter wachsen, solange es mit neuen Schulden finanziert wird. Die staatliche Kreditfinanzierung wird faktisch nicht mehr für Investitionen eingesetzt. Sie dient nur noch der Finanzierung des von ihr selbst verursachten wachsenden Schuldendienstes (Zins- und Tilgungsausgaben) und ist damit zum sinnlosen und gefährlichen Selbstzweck entartet.

Lesen Sie die nachfolgenden Ausführungen und folgen Sie dem großen Linkfeld am Ende dieser Seite, um sich umfassender über Hintergründe und Perspektiven der Staatsverschuldung zu informieren !

In Erkenntnis der großen Gefahren ihrer ausgeuferten öffentlichen Verschuldung haben sich die EU-Mitgliedstaaten zur Wahrung der Stabilität des EURO bereits 1997 in Amsterdam in einem Stabilitäts- und Wachstumspakt u. a. dazu verpflichtet, ihre Verschuldung nicht nur auf die Maastrichter Konvergenzkriterien (Schuldenstände maximal 60% und jährliche Defizite bzw. Neuverschuldung maximal 3% des nominalen Bruttoinlandsproduktes -BIP-) zu begrenzen, sondern ihre jährlichen Defizite auf null zurückzuführen und Haushaltsüberschüsse zu erwirtschaften, um diese in Zeiten einer Rezession ohne Neuverschuldung einsetzen zu können. Die Maastrichter Grenzwerte für die öffentliche Verschuldung in Höhe von 60% bzw. 3% des BIP sind nicht willkürlich gesetzt, wie manche meinen. Sie stellen eine notwendige Bremsmarke für die bis dahin auf ein bereits viel zu hohes Niveau angewachsenen Schuldenberge dar mit dem Gebot: bis hierher und nicht weiter !

Im Jahr 2001 hatten das Ziel, Haushaltsüberschüsse zu erwirtschaften, bereits 8 EU-Mitgliedstaaten erreicht (im Jahre 2002 allerdings nur 4 und 2003 wieder 8). Deutschland fiel dagegen 2001 - trotz aller Sparbekundungen und -bemühungen - wieder auf ein gesamtstaatliches Defizit von 2,8% des BIP (58,9 Mrd.EUR) zurück. Das hatte die EU-Kommission bereits zu Beginn des Jahres 2002 veranlaßt, Deutschland auch ohne einen formellen "blauen Brief" öffentlich zu verwarnen. 

Gemäß EUROSTAT-Pressemitteilung Nr.55/2007 v. 23.04.2007 und Nr. 56/2009 v. 22.04.2009 war Deutschland 2003 auf eine Defizitquote von 4,0% (86,9 Mrd.EUR), 2004 auf 3,8% (83,6 Mrd.EUR) und 2005 auf 3,3% (74,1 Mrd.EUR) des nominalen BIP zurückgefallen und musste mit einem Sanktionsverfahren aus Brüssel rechnen. Wäre ein solches Sanktionsverfahren bis zur letzten Konsequenz realisiert worden, hätte Deutschland einen Betrag bis zu 0,5% des BIP als nicht rückzahlbare Geldbuße an die EU zahlen müssen. Bezogen auf das BIP 2005 in Höhe von 2.243 Mrd.EUR wäre dann ein weiteres zusätzliches Haushaltsloch in Höhe von rd. 11 Mrd.EUR entstanden. Die Durchsetzung eines solchen Sanktionsverfahrens musste nicht befürchtet werden, nachdem auf Betreiben Deutschlands und weiterer EU-Staaten mit ebenfalls chronisch gewordenen Defiziten der Rat der Europäischen Union am 23.03.2005 in Brüssel eine Lockerung des Sanktionsmechanismus beschlossen hatte. Danach kann die EU-Kommission bei Einleitung eines Defizit-Strafverfahrens gegen ein Land und in den weiteren Etappen Ausnahme-Tatbestände berücksichtigen. Darunter fallen u. a. Kosten für die Reformen der Renten- und Sozialsysteme, für Forschung und Entwicklung und für Europas Vereinigung (unter diesen Punkt fällt auch die deutsche Einheit) sowie die EU-Nettozahlungen. Allerdings darf das Defizit nur kurzfristig überschritten werden und nur knapp über dem Grenzwert liegen. In Phasen guten Wirtschaftswachsums soll dann die höhere Verschuldung wieder zurückgeführt werden.

Die Idee, in Zeiten einer Rezession zwecks Ankurbelung der Konjunktur Schulden zur Ausweitung der staatlichen Ausgaben aufzunehmen und diese dann bei (hoffentlich) auflebender Konjunktur mit Einnahmeüberschüssen wieder zurückzuzahlen (antizyklische Haushalts- und Finanzpolitik), hatte die Bundesrepublik Deutschland bereits mit der Haushaltsreform 1967 gem. Art. 109 Abs. 2 GG in das "Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft" (StWG) vom 08.06.67 aufgenommen. Die Regeln sind auch folgerichtig, wenn sie nur befolgt worden wären. Im Jahre 1965 betrug der Schuldenstand des öffentlichen Gesamthaushalts 43,16 Mrd.EUR (18,4% des BIP, Zinssteuerquote bei 3,3%). Im Jahre 2010 war der Gesamtschuldenstand auf 2.079,6 Mrd.EUR angewachsen (83,2% des BIP, Zinssteuerquote 2010 bei 12%). In den letzten Jahrzehnten seit Einführung des Verfahrens der "antizyklischen Haushalts- und Finanzpolitik" wurde entgegen den Regelungen im StWG auch in konjunkturell guten Zeiten nicht eine einzige Mark bzw. kein einziger Euro vom angehäuften Schuldenstand getilgt (ausgenommen die Verwendung der UMTS-Lizenzeinnahmen zur Schuldentilgung im Jahr 2000). Im Gegenteil: die Neuverschuldung erhöhte sich bis 2006 von Jahr zu Jahr und diente - soweit sie nicht von den entsprechend angewachsenen und von ihr selbst verursachten Zinskosten aufgezehrt wurde - auch in konjunkturell besseren Zeiten zur Finanzierung staatlicher Aufgaben. Bereits seit Mitte der achtziger Jahre deckt die jährlich steigende Neuverschuldung nur noch einen Teil der von ihr selbst erzeugten immer weiter steigenden Zinslasten. Zur Finanzierung staatlicher Aufgaben blieb und bleibt davon nichts übrig. 

In ihrer Einschätzung der Hauptursache für die immer wieder entstehenden neuen und größeren Haushaltslöcher und des Grundrezepts zu ihrer Beseitigung stimmen Parteien und Organisationen weitgehend überein: Schuld allein sei ein zu niedriges Wirtschaftswachstum, das angekurbelt werden muss, damit alles wieder gut wird. Nur über Schuldzuweisungen und Detailrezepte zur Wachstumsförderung wird erbittert gestritten. Dass primär das verschuldungsbedingte jährliche Zinseszinswachstum und nur sekundär ein zu schwaches Wirtschaftswachstum für die immer größer werdenden Haushaltslöcher ursächlich ist, wird dabei übersehen.

Wirtschaftswachstum kann und muss unter anderem mit finanzpolitischen Maßnahmen gefördert werden, aber es läßt sich damit nicht erzwingen. Solche Maßnahmen erzeugen keinen Wachstumsautomatismus. Für eine Wachstumsschwäche können durchaus auch andere Gründe maßgeblich sein, wie z. B. ein gewisser Sättigungsgrad, politisch unsichere Verhältnisse, internationale Finanzkrisen wie die seit 2008 aktuelle, hohe Sparquoten. Wachstumszwang kann, darf und muss nicht Voraussetzung für den Bestand unserer Gesellschaft sein, zumal es auch aus ökologischer Sicht Grenzen des Wachstums gibt. Steuermindereinnahmen und / oder zusätzliche Ausgabewünsche dürfen nicht länger wie seit Jahrzehnten weiterhin mit höherer Neuverschuldung ausgeglichen bzw. finanziert werden, denn die Schulden von heute sind die Steuererhöhungen und Sparpakete von morgen. Angesichts des im EU-Vergleich überdurchschnittlich hohen Bruttoinlandsproduktes in Deutschland muss es möglich sein, dieses im Rahmen ohnehin notwendiger tiefgreifender Reformen so umzuverteilen, dass auch ohne Wirtschaftswachstum ein ausgeglichener öffentlicher Gesamthaushalt ohne Neuverschuldung erzielt werden kann (Rückführung des strukturellen Defizits auf null).

Das ausgeuferte Wachstum der öffentlichen Verschuldung trotz immer wieder bekundeten eisernen Sparwillens ist auch auf eine nicht ausreichende Steuerung der Gesamtverschuldung aller öffentlichen Haushalte in Deutschland zurückzuführen. Wenn Bund, 16 Bundesländer und zehntausende von Kommunen im Rahmen ihrer Finanzhoheit die Höhe ihrer Verschuldung im Wesentlichen selbst bestimmen können bzw. müssen, ist eine Steuerung mit dem Ziel der Einhaltung der 3%-Defizitgrenze und der 60%-Verschuldungsgrenze auf der Ebene des öffentlichen Gesamthaushalts insbesondere in Rezessionszeiten allein aus praktischen Gründen schwierig. Hierzu bedarf es der Einschränkung der vielfältigen dezentral wahrgenommenen Finanzhoheiten mit dem Ziel einer zentralen Kontrolle der Verschuldung der öffentlichen Gebietskörperschaften in Deutschland. Bund, Länder und Gemeinden müssen sich deshalb zusammensetzen und im parteiübergreifenden Konsens im Rahmen der ohnehin längst überfälligen Reform der Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden auch Wege zur Befreiung aus der Schuldenfalle erarbeiten. Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung wurde bereits getan: Die Föderalismuskommission zur Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern hat sich auf eine "Schuldenbremse" geeinigt, die inzwischen grundgesetzlich verankert worden ist.

Hochkarätige wirtschaftswissenschaftliche Lehrmeinungen pro und kontra Staatsverschuldung sind wenig hilfreich, solange sie so gegensätzlich sind wie bisher. Der Zwang zur nachhaltigen Rückführung des Schuldenwachstums der öffentlichen Haushalte ist unausweichlich, damit Deutschland nicht noch tiefer in die Schuldenfalle abgleitet und die Stabilität des EURO nicht gefährdet wird. Dabei geht es primär nicht um Schuldenabbau, sondern um eine Rückführung des strukturellen Defizits und so schnell und nachhaltig wie möglich um die Erzielung ausgeglichener Haushalte ohne Neuverschuldung bzw. um die Erwirtschaftung von Haushaltsüberschüssen, um sie in konjunkturell schlechteren Zeiten anstelle einer Neuverschuldung für zusätzliche staatliche Aufgaben einsetzen zu können. Steuerentlastungen und Mehrausgaben für Bildung, Forschung, Soziales, Investitionen usw. usw. - so wünschenswert und notwendig die Erreichung dieser von den Parteien propagierten Ziele auch ist - sie stehen im Zielkonflikt mit dem Zwang zur Rückführung der Neuverschuldung. Eine nachhaltige Finanzierung solcher Vorhaben ist nur möglich, wenn das jährliche strukturelle Haushaltsdefizit als Hauptursache für die zinslastbedingt wachsenden Haushaltslöcher dauerhaft auf null zurückgeführt worden ist.

Dazu folgende Zitate aus dem Koalitionsvertrag vom 11.11.2005 der Großen Koalition im Deutschen Bundestag:

„Das hohe strukturelle Defizit des Staatshaushalts und der Schuldendienst begrenzen die Handlungsfähigkeit des Staates. Um Deutschlands öffentliche Finanzen auf eine solide Basis zu stellen, sind die Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden in einer gemeinsamen Anstrengung zu konsolidieren“. ......... “Die Regeln des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts werden eingehalten, die daraus erwachsenden Konsolidierungsfolgen für die Staatsfinanzen respektiert. Das bedeutet erstens die Einhaltung der 3-Prozent-Defizitgrenze des Paktes spätestens im Jahr 2007. Wir werden zweitens in den Folgejahren die Konsolidierung fortsetzen und erwarten auch von Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen mittelfristig Anstrengungen mit dem Ziel eines ausgeglichenen Gesamtstaatshaushalts“.

Die Große Koalition hatte mit ihren sicheren Mehrheiten die einmalige Chance, dieses vorrangige Ziel auch durchzusetzen.


Seit dem Jahr 2006 hat Deutschland den Defizit-Grenzwert von 3% des nominalen BIP deutlich unterschritten. Laut EUROSTAT-Pressemitteilung Nr. 55/2010 vom 22.04.2010 belief sich die Defizitquote Deutschlands 2006 auf 1,6% (37,8 Mrd.EUR) des BIP. Im Jahr 2007 wurde sogar ein Haushaltsüberschuss von 0,3% des BIP erzielt. Der BMF führte dies laut Pressemitteilung Nr. 34/2007 auf den durch Sparmaßnahmen erreichten Abbau des strukturellen Defizits (2006 um 1% und 2007 um 0,5%) und im übrigen auf konjunkturelle Einflüsse (Wirtschaftsaufschwung) zurück. Das war eine erfreuliche Entwicklung, die aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass das strukturelle (konjunkturunabhängige) Defizit nur zu einem kleinen Anteil gesenkt wurde. Damit Deutschland im Verlauf von Rezessionen infolge dann geringerer Steuereinnahmen nicht erneut und umso tiefer in den Teufelskreis der Verschuldung zurückfällt, muss das strukturelle Defizit auf null zurückgeführt werden. Dann können konjunkturbedingte Steuermehreinnahmen ganz oder zumindest überwiegend zwecks Senkung der Zinskosten zur Schuldentilgung verwendet und / oder einer Konjunkturausgleichsrücklage zugeführt werden, aus der dann, so wie bereits seit 1967 im StWG geregelt, in Zeiten einer Rezession Mittel zur Ankurbelung der Wirtschaft fließen können (überschussorientierte antizyklische Haushalts und Finanzpolitik). Eine defizitorientierte antizyklische Haushalts- und Finanzpolitik (kreditfinanzierte Konjunkturförderung) über den Grenzwert von 3% des BIP hinaus lässt der EU-Stabilitätspakt aus guten Gründen künftig nicht mehr zu.

 

Leider hat die Mitte 2008 ausgebrochene weltweite Finanzkrise die Hoffnung auf den Fortgang der positiven Entwicklung der vorangegangenen Jahre jäh zunichte gemacht. Angesichts der von den europäischen Staaten aufgelegten Rettungspakete zur Stützung des Bankensystems in Höhe von vielen Hundert Milliarden Euro und dem kreditfinanzierten milliardenschweren Konjunkturpaket 2009 hatten sich Bundesregierung und EU offenbar vorläufig von dem Ziel ausgeglichener öffentlicher Haushalte verabschiedet. Auf den  Abschluss des öffentlichen  Gesamthaushalts  des Jahres  2008 hat sich die Krise allerdings noch nicht wesentlich ausgewirkt. Laut EUROSTAT-Pressemitteilung Nr. 60/2011 vom 26.04.2011 erzielte Deutschland auch 2008 wieder einen minimalen Haushaltsüberschuss (Saldo 0,1% des BIP). Der öffentliche Schuldenstand stieg leicht auf 66,3% des BIP an.  Erwartungsgemäß schloss das Jahr 2009 nicht nur in Deutschland, sondern in allen EU-Staaten mit einer massiven Erhöhung der Staatsverschuldung ab. Deutschland fiel auf ein Defizit von 3,0% und einen Schuldenstand von 73,5% des BIP zurück. 2010 stiegen das Defizit auf 3,3% und der Schuldenstand auf 83,2% des BIP. Ob und in welcher Höhe sich die öffentlichen Defizite in Deutschland wegen Inanspruchnahme des 480-Mrd.-Rettungspakets für die Banken in den nächsten Jahren zusätzlich erhöhen werden, lässt sich m. E. zur Zeit von niemandem auch nur annähernd voraussagen. Das hängt auch davon ab, ob in Anspruch genommene Mittel durch spätere Refinanzierungen möglicherweise wieder mit Gewinn an den Staat zurückfließen.

Die derzeitigen weltweiten von den überschuldeten USA ausgehenden Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten sind eine systemische Krise des Kapitalismus in seiner kasinoartigen Ausprägung und ausgeuferten Gesamtverschuldung. Die weltweit ausgeuferte Staatsverschuldung hat die derzeitige Finanzkrise teilweise mit verursacht. In allen Staaten mit überhöhter Staatsverschuldung sind die Altschulden in der Regel nicht getilgt, sondern refinanziert worden. Zusätzlich wurden neue Schulden faktisch nicht für Investitionen, sondern zur Finanzierung der von den Altschulden verursachten Zinskosten aufgenommen. Der so exponentiell gewachsene und zu einer Finanzblase mutierte gigantische Berg weltweiter öffentlicher Schulden in Höhe von vielen Billionen Währungseinheiten hat etliche Kreditgeber (Banken) offenbar dazu veranlasst, diesen immer steiler wachsenden Bedarf öffentlicher Kredite zunehmend mit risikobehafteten "innovativen Finanzprodukten" der "Finanzindustrie" zu refinanzieren. Dadurch wurde der ohnehin schon mit solchen "Finanzprodukten" überfrachtete Interbankenhandel weiter aufgebläht. Die Finanzkrise wird noch dramatischer, wenn weitere Pleitewellen den Weltfinanzmarkt überrollen.


Aktuell hat die Rekordverschuldung Griechenlands (Defizit 10,5% und Schuldenstand 142,8% des BIP) auf Grund organisierter internationaler Spekulationen gegen den Euro eine Währungs- und Finanzkrise ausgelöst, die den Bestand des Euros gefährdet. So dramatisch die Staatsverschuldung Griechenlands und einiger weiterer südeuropäischen Eurostaaten auch ist - die Verschuldungsdaten der USA (Defizit 2008 = 5,3%, 2009 = 11,3% des BIP) sind wesentlich dramatischer als der Mittelwert der Eurozone (Defizit 2008 = 2,0%, 2009 = 6,3% und 2010 = 6,0% des BIP). Vor wenigen Monaten lag der Dollarkurs zeitweise noch bei 1,50 € und darüber. Die Spekulationen gegen den Euro sind durch seine konstruktionsbedingte Schwachstelle möglich geworden: Die Eurozone (EU17) ist im Gegensatz zu Bundesstaaten wie die USA kein einheitlicher geschlossener Währungsraum, sondern ein relativ lockerer Währungsverbund, der nur so stark sein kann wie seine schwächsten Glieder. Jeder Staat mit eigener Währung besteht aus Regionen (Bundesländer, Kommunalverbände, Kommunen) mit unterschiedlicher Finanzstärke, die mit mehr oder weniger eingeschränkter Finanz- und Budgethoheit ausgestattet sind. Haushaltsnotlagen finanzschwacher Regionen werden vom Zentralstaat (wie auch in Deutschland) über ein in der Verfasung verankertes Finanzausgleichssystem (Transferunion) aufgefangen. Daher wird niemand auf den Gedanken kommen, gegen das hoch verschuldete Kalifornien oder ein hoch verschuldetes deutsches Bundesland zu spekulieren. Die Eurozone hat über ein solches Finanzausgleichssystem bisher nicht verfügt. Die bisher geltenden Regeln (Stabilitätspakt) reichen nicht mehr aus. Infolge dieser technischen Schwachstelle des Euros sind finanzschwache Eurostaaten und damit der Euro Angriffsziel von Spekulanten geworden, die sich nicht am günstigeren Mittelwert der Verschuldungsdaten der EU17, sondern an den Verschuldungsdaten der am höchsten verschuldeten Eurostaaten orientieren. Darum musste zur Abwehr solcher Spekulationen zum Schutz des Euros ein Schutzmechanismus als Surrogat für eine Transferunion geschaffen werden.


Auf ihrem Sondergipfel am 09.05.2010 in Brüssel haben die Institutionen der EU zum Schutz des Euros ein Rettungspaket im Umfang von 750 Mrd.EUR geschnürt. Danach erhalten EU-Staaten mit Finanzierungsproblemen Hilfen vom IWF und aus EU-Mitteln (überwiegend in Form von Bürgschaften). EU und IWF wollen mit schärferen Regeln als bisher die Einhaltung der Haushaltsdisziplin (Stabilitätskriterien) der EU-Staaten beeinflussen und überwachen. Außerdem hat die EZB beschlossen, ein bisheriges Tabu zu brechen und Staatsanleihen vom Markt aufzukaufen. Die USA und Großbritannien haben von dieser Möglichkeit während der Finanzkrise zur Rettung ihrer Banken bereits in erheblichem Umfang Gebrauch gemacht und die damit verbundene Gefahr einer inflationären Entwicklung in Kauf genommen. Das Rettungspaket als Ganzes ist ein Surrogat für eine Transferunion auf vertraglicher Basis als Ersatz für die in den Verfassungen großer Bundesstaaten verankerten Finanzausgleichsregelungen zwischen ihren Teilstaaten und dem Zentralstaat. Auf Deutschland als größter und wirtschaftsstärkster Mitgliedstaat der EU entfällt proportional der größte Anteil am Rettungspaket und den Risiken daraus. Das ist bedingt vergleichbar mit dem im Grundgesetz geregelten Finanzausgleich in Deutschland, wonach wirtschaftsstarke Bundesländer und der Bund für wirtschaftsschwache Bundesländer einstehen. In anderen Bundesstaaten mit eigener Währung wird nicht anders verfahren. Unabdingbare Voraussetzung für die Stabilität des Euros ist, dass die Eurostaaten mit wesentlich strengeren Regeln als bisher gezwungen werden, die
Maastricht-Kriterien einzuhalten und möglichst ausgeglichene Haushalte oder sogar Überschüsse zu erzielen. Dazu werden sie einen Teil ihrer Finanz- und
Budgethoheit an die EU abgeben müssen, wozu auch die Kontrolle der Haushalte gehört. Die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse könnte ein Modell
auch für die EU sein. Eine verbesserte Finanzmarktregulierung sowie eine Objektivierung des Ratingverfahrens und ggf. auch die Einführung einer
Finanzmarkttransaktionssteuer müssen als flankierende Maßnahmen hinzukommen. Es darf nicht sein, dass zwecks Gewinnmaximierung auf Spekulation und
Marktbeeinflussung getrimmte Computer online mit automatisierten Intraday-Finanztransaktionen täglich gleiche Positionen vielfach umsetzen und
dadurch gewollt oder außer Kontrolle Märkte zum Einsturz bringen können.


Die Finanzkrise darf zur Förderung des Wirtschaftswachstums nicht mit einer weiteren massiven Erhöhung der Staatsverschuldung gelöst werden, weil dadurch der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben würde. Die Bundesbank hat schon in Ihrem Monatsbericht März 1997 ausgeführt: "Bei einer hohen Kreditfinanzierungsquote wächst die Gefahr, dass der Verschuldungsprozess infolge anschwellender Zinslasten außer Kontrolle gerät; der Konsolidierungskurs, der erforderlich ist, um die Schuldenquote zumindest zu stabilisieren, muss dann je später desto schärfer ausfallen." Diese Prognose ist jetzt offenbar eingetreten.

Der unausweichliche Zwang zur Rückführung der öffentlichen Verschuldung belastet uns ungeachtet der aktuellen Finanzmarktkrise alle in steigendem Maße - insbesondere die nachwachsenden Generationen. Die Medien berichten fast täglich über die Probleme der Staatsverschuldung.

Mit seiner gesellschafts- und parteipolitisch strikt neutralen Arbeit

Die Schuldenfalle
- eine Untersuchung der Staatsverschuldung ab 1965 bis 2025

(mit Ausblick auf den Zeitraum bis 2040)

hat es sich der Verfasser dieser Webseite bereits seit mehreren Jahren zur Aufgabe gemacht, die interessierte Öffentlichkeit und insbesondere die legislatorisch und exekutiv Verantwortlichen auf die Sinnlosigkeit und großen Gefahren der ausgeuferten Staatsverschuldung sowie die Notwendigkeit ihrer Rückführung aufmerksam zu machen und Lösungsansätze aufzuzeigen.

Das Problem berührt auch Sie, denn Staatsschulden sind auch Ihre Schulden !
Auch Sie werden dafür bezahlen müssen, und zwar umso mehr, je später die Verschuldungsrückführung vollzogen wird !

Überzeugen Sie sich davon, dass wir in der Schuldenfalle stecken und dass wir uns unter Aufbringung großer Opfer jetzt daraus befreien müssen, um in der Zukunft den sonst unvermeidlichen und folgenschweren Zusammenbruch der öffentlichen Finanzwirtschaft zu verhindern.

          Klicken Sie sich ein:

Informieren Sie sich hier über 

Lesen Sie die hierzu eingeholten Stellungnahmen kompetenter Entscheidungsträger ! 

 

Die Arbeit, die Sie mit dem vorstehenden Link bzw. unmittelbar mit der Original-Webadresse
http://www.staatsverschuldung-schuldenfalle.de
aufrufen können, wird regelmäßig aktualisiert und fortgeschrieben, wenn neue zuverlässige Daten und Informationen zur Verschuldung amtlich veröffentlicht werden. Sie ist die Kurzfassung eines Buches (kartoniert, DIN-A-5-Format), das der Verfasser mit dem Titel "Die Schuldenfalle - Staatsverschuldung ab 1965 - 2025"  veröffentlicht hat.  Der Text dieser Webseite deckt sich weitgehend mit dem Einleitungstext des Buches. Es kann unter der ISBN 3-932086-03-1 zum Preis von 18,50 EUR beim Buchhandel oder mit dem Anklicken des nachfolgenden Links unmittelbar bestellt werden beim

Pinkvoss Verlag Hannover
Anschrift: Landwehrstraße 85, 30519 Hannover,
Tel. 0511-99050-0, Fax 0511-99050-77

eMail info@pinkvoss-verlag.de

 

Im September 2005 ist ebenfalls beim Pinkvoss-Verlag in Hannover in 2. Auflage ein Sammelband mit dem Titel "Modernes Management für die Verwaltung - Ein Handbuch -" (ISBN 3 -932086-08-2, ca. 590 Seiten, mit beiliegender CD gleichen Inhalts, Bezugspreis 39,90 EUR) erschienen. Es wendet sich an Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung und solche, die es werden wollen. Das Werk enthält Beiträge von 22 Autoren, darunter auf 30 Seiten eine Kurzfassung meiner Webseiten zum Thema "Staatsverschuldung". Die Verlagspräsentation des Werkes mit der Online-Bestellmöglichkeit kann mit folgendem Link aufgerufen werden:

Modernes Management für die Verwaltung -Ein Handbuch-

KontaktangabenAutor:  Dieter Meyer, Ministerialrat a. D.,
eMail: = ...feedback-at-staatsverschuldung-online.de... (für-at-bitte @ einsetzen).

Bei Anfragen bitte ich um Angabe Ihrer Kontaktdaten (zumindest Name und Wohnsitz, ggf. Institution bzw. Unternehmen)

Ihre mail wird an meine Haupt-eMail-Adresse weitergeleitet und so bald wie möglich von mir beantwortet.
Web-Adresse dieser Homepage:  http://www.staatsverschuldung-online.de/

Stand:  07.06.2011

ImpressumDieter Meyer, Ministerialrat a. D.    /    Geveker Kamp 65, 30453 Hannover    /    Tel.: 0511-480626    /    Fax: +4932223748045 
eMail:  feedback-at-staatsverschuldung-online.de    (für  -at-  bitte @  einsetzen)

 

Datenschutzhinweis: Auf dieser Homepage werden IP-Adressen und sonstige personenbezogene Daten der Nutzer weder erhoben noch gespeichert. Cookies und aktive Inhalte werden nicht verwendet. Eine automatisierte Weiterleitung an andere Anbieter findet nicht statt.

 

Haftungsausschlusserklärung: Die Inhalte dieser Webseite, insbesondere die statistischen Angaben, habe ich mit größtmöglicher Sorgfalt recherchiert. Ich übernehme dennoch keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Für den Inhalt der Webseiten anderer Anbieter, die einen Link auf meine Homepage gesetzt haben bzw. auf deren Webseite ich einen Link gesetzt habe, übernehme ich ebenfalls keinerlei Haftung. Soweit in Publikationen jedweder Art unter Hinweis auf diese Homepage weitergehende Schlussfolgerungen mit ideologischer, weltanschaulicher, wirtschaftstheoretischer, gesellschaftspolitischer oder parteipolitischer Ausrichtung bzw. hinsichtlich gezielter Schuldzuweisungen gezogen werden, spiegeln sie nicht meine Meinung  wider.

Counter
Counter by WebHits